Langweilige Lieder, veraltete Traditionen, unsympathischer Pfarrer?

Kirche gilt oft als alt, verstaubt und traditionsverliebt. Insbesondere junge Menschen fühlen sich dort nicht wohl und finden Gottesdienste nicht mehr zeitgemäß. Nicht selten heißt es „Ich glaube schon an Gott, aber Kirche so wie sie ist, ist doof.“ Und dann passiert es ganz schnell. Je mehr man sich von der Kirche distanziert, umso eher entfernt man sich auch von Gott. Doch Glaube ist keine Privatsache, sondern fordert Tatendrang und muss gelebt werden. Glaube ohne Gemeinschaft ist wie Arbeit ohne Kollegen, oder Schule ohne Freunde. Glaube braucht Mitmenschen, mit denen man ihn teilen kann. Ohne Gemeinschaft fühlt man sich schnell allein und verliert den Bezug. 

Selbst in der Bibel heißt es: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich in ihrer Mitte.” (Matthäus 20, 19-20)

Falls du dich in deiner Heimatgemeinde nicht wohl fühlst und nach Veränderung suchst, ohne dabei auf die Gemeinschaft verzichten zu wollen, dann sieh dich doch mal in deiner Umgebung um. Jeder Ort hält verschiedene Gemeinden bereit und vielleicht fühlst du dich woanders wohler. Leere Kirchenhäuser sind nicht die Regel, auch wenn es manchmal danach aussieht. Finde Deinen Platz, wo Glaube aktiv gelebt wird.

Einen super schnellen Überblick über die Gottesdienste in deiner Umgebung findest du hier: nächster-gottesdienst.de

Das Projekt nächster-gottesdienst.de ist ein Wegweiser, um Gemeinden, Gemeinschaften und spirituelle Orte zu finden. Über die Grenzen von Konfessionen hinweg zeigt die Datenbank, wo Menschen Gottes Wort hören und ihren Glauben nicht alleine für sich behalten möchten, sondern ihn in Gemeinschaft miteinander teilen. Alle Nadeln auf der Landkarte lassen erahnen, wie vielfältig und bunt Religion ist.

 

Was ist Kirche überhaupt und was ist ihre Aufgabe?

Kirche ist die Gemeinschaft der Glaubenden, die sich um Jesus Christus versammelt. Das Wort „Kirche“ leitet sich vom griechischen Kyriaká ab und bedeutet „dem Herrn gehörig“.  In den Schriften des neuen Testaments findet man häufig auch den aus dem griechischen stammenden Begriff „Ekklesía“ = „die Herausgerufenen“. Beide Begriffe beziehen sich auf die von Gott gerufen und vor ihm versammelte Volksgemeinde. Im Alten Testament ist vom Volk Israel als der Volksgemeinde Gottes die Rede, sowie von Jesu Berufung der zwölf Jünger. Die Zahl zwölf erinnert an den Bund Gottes mit den zwölf Stämmen Israels. Das von Gott begonnene Heilswirken in der Geschichte Israels wird von Jesus fortgesetzt. 

Die geschichtlichen Anfänge der Kirche liegen also in der urchristlichen Missionsbewegung, die auf Jesus und seine Jünger zurückgeht. Im Neuen Testament berichten zunächst die vier Evangelien von Jesu Verkündung, Leben und Wirken, als auch von der Berufung und Aussendung der Jünger. Besonders entscheidend für die Berufung war der Tod und die Auferstehung Jesu. Der Auftrag der Jünger ist im Matthäusevangelium festgehalten: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt, 28, 19f). Auch die Briefe des Apostels Paulus an die Korinther, erklären das Kirchenverständnis des Urchristentums. Er vergleicht die christliche Gemeinde mit dem Leib Christi und nennt Gemeinschaft und Bindung an Jesus Christus unerlässlich für das Gelingen von Kirche. 

Kirchen sind Orte, wo Gläubige in Gottesdiensten den Herrn ehren und lobpreisen können. Verkündigung, Liturgie und Diakonie sind der Grundstock einer lebendigen Kirche. Die Lehre der heiligen Schrift, Gottesdienste feiern und der Dienst am Nächsten. Deshalb ist es gerade heute, wo viele Kirchenschließungen erfolgen, eine der wichtigsten diakonischen Aufgaben Kirchen als Orte des Gebets offen zu halten, um Menschen dort die Begegnung mit Gott zu ermöglichen.

Zu den zentralen Aufgaben der Kirchen gehört die Verkündung des Evangeliums Jesu Christi, die Liturgie, die Fürsorge an den Menschen, die Gemeinschaft, Verwaltungsaufgaben, Aus- und Weiterbildung seelsorglicher Berufe, Sakramentspendung, Ökumene, nationale und internationale Entwicklungsarbeit, Gründung und Beauftragung verschiedener Hilfswerke (z.B. Caritas,  Bischöfliche Hilfswerk Misereor, Renovabis, …), Katastrophenhilfe, Jugendarbeit, Trägerschaft von Schulen und Krankenhäuser, Erwachsenenbildung, mediale Präsenz, …

Für all diese Aufgaben werden finanzielle Mittel benötigt, die entweder über Spenden oder bei der Evangelischen und Katholischen Kirche über Kirchensteuern erhoben wird. Eine genauere Auflistung was mit den Kirchensteuern passiert, findet ihr hier. 

Hast du dir schon einmal die Frage gestellt, welches Bild du über die Kirche hast? 

Gerne lässt man sich von den Meinungen anderer und durch Negativnachrichten beeinflussen. Dabei ist es so wichtig für den eigenen Glauben und die Kirche einzustehen. Falls dir das schwer fällt, liegt es möglicherweise daran, dass du dich mit deiner Kirche nicht identifizieren kannst. Aber welche Optionen gibt es überhaupt? Seit Beginn verändert sich das Christentum laufend – da verliert man schnell den Überblick. Grundsätzlich lässt sich das Christentum in Deutschland in Volkskirchen, Freikirchen und viele weitere christliche Gemeinschaften einordnen. Folgender Überblick über die Strukturen kann dir vielleicht helfen, den richtigen Weg für dich zu finden: 

Römisch-Katholische Kirche (westlich):

  • Körperschaften des Öffentlichen Rechts
  • finanzieren sich über Kirchensteuern
  • Organisation: territorial und parochial, also in einem bestimmten Gebiet zuständig 
  • aus dem griech.: allgemein, umfassend 
  • Zahl: ca. 23,3 Mio. Menschen in Deutschland
  • Entstehung: Gründung durch Jesus Christus

Merkmale:

  • Theologisch: Verwirklichung des christlichen Ideals der Nachahmung Christi Glaube und Gnade reichen für eine Rettung nicht aus, der Mensch soll dazu auch was Gutes tun
  • Wer leitet? Der Papst ist „Nachfolger des hl. Petrus“ und von Christus zum Hirten der Kirche bestimmt (vgl. Mt 16, 18f; Joh 21, 15-17). Das Oberhaupt der katholischen Kirche ist demnach der Papst. Er kann in Fragen der Glaubens- und Sittenlehre letztgültige Entscheidungen treffen, die für alle Katholiken bindend sind.
  • Abendmahlsfeier: Brot und Wein werden zum Leib und Blut Christi, Jesus ist in jeder Messe körperlich anwesend. An der Eucharistie dürfen alle Teilnehmen, die daran glauben, dass sich Brot und Wein wahrhaftig in den Leib und das Blut Christi wandeln. Die äußere Gestalt bleibt dabei gleich, aber die Substanz ändert sich.
  • Sakramente: Sieben: Taufe, Eucharistie/Kommunion, Firmung, Ehe, Beichte, Krankensalbung und Priesterweihe 
  • Heiligenverehrung: Ja. Katholiken glauben daran, dass sie auf die Fürsprache der Heiligen vertrauen dürfen. Sie waren Menschen, die ihr Leben ganz Gott gewidmet haben und noch über ihren Tod hinaus große Bedeutung haben. Durch ihre besondere Beziehung zu Gott glauben die Katholiken an ihre Fürsprache für sie bei Gott. Maria steht hierbei an erster Stelle. Sie ist für die Katholiken die Mutter des Herrn. In der Geschichte wurde sie auch Gottesgebärerin genannt, weil sie Jesus Christus zur Welt brachte. Kein Mensch ist Christus so nahe wie sie, weshalb die Katholiken besonders auf ihre Fürsprache bei ihm vertrauen.
  • Lehre: Heilige Schrift, mündliche Überlieferungen, Tradition der (katholischen) Kirche entwickelten Dogmen 
  • Ideal: aktiver Einsatz für das Reich Gottes, die kirchlichen Gesetze erfüllend 
  • Gottesdienste: sonntägliche Eucharistie (Messe) Wortgottesdienste. Die Predigt hat einen hohen Stellenwert, der wichtigste Bestandteil einer jeden Messe ist aber die Eucharistie.
  • Ämter: Papst (Bischof von Rom),  Bischöfe, Priester (=Presbyter), Diakone

Orthodox (östlich):

  • Körperschaften des Öffentlichen Rechts
  • finanzieren sich über Spenden
  • Organisation: territorial und parochial, also in einem bestimmten Gebiet zuständig 
  • aus dem griech.: richtige, wahre Verehrung
  • Zahl: ca. 1,5 Mio. Menschen in Deutschland
  • Entstehung: 1054 kam es zum „Großen Schisma“, der ersten großen Spaltung des Christentums. Die Oberhäupter der Ostkirche im heutigen Istanbul und der Westkirche in Rom exkommunizierten sich gegenseitig | Gründe: gegenseitiges Unverständnis für die griechische bzw. lateinisch-römische Ausprägung, Machtstreben auf beiden Seiten

Merkmale:

  • Theologisch: s. röm. Kath. Kirche
  • Wer leitet? Kein Papst. Die Erzbischöfe haben kein Oberhaupt, sondern sind wie Brüder.
  • Abendmahlsfeier: Brot und Wein werden zum Leib und Blut Christi, Jesus ist in jeder Messe körperlich anwesend. 
  • Sakramente: s. röm. Kath. Kirche
  • Heiligenverehrung: s. röm. Kath. Kirche
  • Lehre: Heilige Schrift, mündliche Überlieferung sowie der Tradition, große Wertschätzung der Kirchenväter
  • Ideal: Mönchtum, Klostergottesdienste
  • Gottesdienste: neben der Göttlichen Liturgie (Messe) haben Gottesdienste aus dem klösterlichen Stundengebet besondere Bedeutung, Wortgottesdienste. Die Predigt hat einen geringeren Stellenwert.
  • Ämter: Erzbischöfe (Mönche: Patriarchen, Metropoliten), Priester (= Presbyter), Diakone

Evangelische Kirche

  • EKD (Evangelische Kirche in Deutschland, Bündnis aus 20 lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen)
  • Körperschaften des Öffentlichen Rechts
  • finanzieren sich über Kirchensteuern
  • Organisation: territorial und parochial, also in einem bestimmten Gebiet zuständig 
  • aus dem griech.: frohe Botschaft
  • Zahl: ca. 21,5 Mio. Menschen in Deutschland
  • Entstehung: Reformation im 16. Jhd., angestoßen durch Martin Luther | Gründe: Missstände in der Kirche, Neubesinnung auf die Bibel (Übersetzung ins Deutsche)

Merkmale:

  • Theologisch: Konzentration auf die Erlösung durch Jesus Christus. Der Mensch kann von sich aus nichts tun, Gottes Gnade ist ein Geschenk
  • Wer leitet? Kein Papst. Alle Menschen sind vor Gott gleich. Presbyterial-synodale Ordnung – baut sich von unten (Gemeinden) nach oben (Präses/Bischof) auf.
  • Abendmahlsfeier: Brot und Wein bleiben Brot und Wein. Sie sind ein Symbol für Jesu Liebe, Jesus ist in jeder Messe gegenwärtig. Jeder getaufte Christ darf an der Eucharistie teilnehmen.
  • Sakramente: Es gibt nur die Taufe und das Abendmahl. Trauungen, Konfirmationen, Salbung, etc. hingegen sind nur Segnungen, da nicht durch ein ausdrückliches Stiftungs- bzw. Verheißungswort von Jesus Christus eingesetzt oder mit einem sichtbaren Zeichen verbunden.
  •  Heiligenverehrung: Nein. Heilige sind „nur“ Vorbilder des Glaubens, die Gläubigen befürchten, dass dadurch Gottes Ehre geschmälert wird. „Heilige“ können sich alle Menschen nennen, die an Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen.
  • Lehre: ausschließlich die Heilige Schrift
  • Ideal: Leben nach dem Vorbild Jesu, Frömmigkeit
  • Gottesdienste: sonntägliche Gemeindegottesdienste, eher selten Gottesdienste mit Abendmahlsfeiern, Schriftlesungen und Predigten haben einen hohen Stellenwert 
  • Ämter: Mit dem Grundsakrament der Taufe ist jeder zur Nachfolge Christi berufen Lehre des allgemeinen Priestertums. Es gibt jedoch ordinierte Pfarrer, Superintendenten/Dekane, Landesbischöfe

Freikirchen

  • organisatorisch unabhängige evangelische Kirche mit bestimmten theologischen Einstellungen
  • freiwillige Zugehörigkeit
  • finanzieren sich über Spenden ihrer Mitglieder
  • Organisation: kein bestimmter Einzugsbereich z. B. Baptisten, Mennoniten, Herrnhuter Brüdergemeine, Heilsarmee
  • Zahl: ca. 0,3 Mio. Menschen in Deutschland
  • Entstehung: entstanden bereits im Zuge der Reformation, vor allem aber während der sich anschließenden und bis ins 20. Jhd. anhaltenden Erweckungsbewegungen. | Gründe: unterschiedliche Ansichten, „Allein Christus“ ist wichtig, für die Rettung ist eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten äußeren Kirchenorganisation nicht notwendig

 Merkmale:

  • Theologisch: Gottes Heilsangebot (Vergebung und Erlösung durch Christus), fordert die Antwort des Menschen heraus. Glaube ist ein Geschenk Gottes, das persönlich angenommen werden muss. 
  • Wer leitet? Kein Oberhaupt, Vereinigung Evangelischer Freikirchen 
  • Abendmahlsfeier: Gedächtnismahl in Erinnerung an Leben und Tod Jesu (oft mit Brot und Wein), Gemeinschaftscharakter, keine Realpräsenz, kein Altar, sondern Abendmahlstisch
  • Sakramente: Keine Säuglingstaufe, der Beitritt setzt eine bewusste persönliche Entscheidung für ein Leben in der Nachfolge Jesu Christi voraus.
  • Ideal: Auftrag zur Mission. Gemeindemitglieder, Ortsgemeinden und die Freikirche als solche bemühen sich um die Verkündigung des Evangeliums im In- und Ausland durch Evangelisation, Diakonie und Seelsorge, Frömmigkeit Gottesdienste: sonntägliche Eucharistie (Messe), Wortgottesdienste. Die Predigt hat einen hohen Stellenwert.
  • Lehre: Heilige Schrift, allein durch den Glauben erfahren Menschen die Rettung.
  • Heiligenverehrung: Nein
  • Ämter: Pastoren sind für die Gemeindearbeit freigestellte Mitglieder, deren Lebensunterhalt von der Gemeinde ganz oder teilweise getragen wird. Allgemeines Priestertum der Gläubigen. Die Aufnahme in eine Freikirche erfolgt durch das persönliche Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus und die bewusste Entscheidung zur Mitgliedschaft in der Gemeinde. Jeder wird dazu aufgerufen zu unterstützen und engagiert sich freiwillig.

Sonstige christliche Gemeinschaften

sind z. B. Zeugen Jehovas, Neuapostolische Kirche, Altkatholische Kirche, Unitarier, ..An

Du kannst was daran ändern

„Wer Glaubt ist nie allein“- Ein Satz den der ehemalige Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt zur Amtsübernahme prägte. Er bezog sich dabei vor allem auf die Gemeinschaft der Heiligen. Auch wenn man in Deutschland und gerade auch in der Arbeit oder im Bekanntenkreis oft für seinen Glauben belächelt wird, ist im tiefsten Inneren immer jemand da: Jesus Christus. Und darüber hinaus rund 2,26 Milliarden Christen auf der Welt. Selbst in Deutschland gibt es knapp 50 Mio..

Leider lehnen sich viele davon zurück und lassen Kirche Kirche sein. Oft wird vergessen, dass Kirche mehr als eine reine Institution. Sie ist die Gemeinschaft aller Gläubigen und jeder kann seinen individuellen Teil zur Veränderung beitragen. Christ sein ohne Kirche geht, aber Christ sein ohne Gemeinschaft nicht. Bist du musikalisch talentiert, arbeitest gerne mit Jugendlichen, oder möchtest im Gottesdienst mithelfen? Jeder kann sich mit seinen Talenten einbringen. Ansprechpartner findest du am besten in den Gemeinden selbst, oder z.B. beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), beim Haus kirchlicher Dienste (https://www.ehrenamt-kirche.de/), oder direkt bei den Bistümern.

 

Wir haben für dich recherchiert, wie du bei dir aus der Kirche austreten kannst. Wir empfehlen dir, vorher an Gott eine ganz einfache Frage zu stellen. Wenn es ihn gibt, wird er antworten.